Die "Rente" ist durch.

Klaus Merz ansatzlos zu einem seiner über 120 Toren in dieser Saison.
Klaus Merz ansatzlos zu einem seiner über 120 Toren in dieser Saison.

(am.) Es reichte nur für ein paar Minuten. Wer Klaus Merz kennt der weiß, dass es für ihn schlimm ist, wenn er ein Handballspiel seines Teams von der Auswechselbank verfolgen muss. In seinem letzten Match als aktiver Handballspieler verhinderte eine Entzündung im Ellenbogen eine längere Einsatzzeit....

Auf die beiden vergangen Spiele hatte er schon verzichtet, damit es in seinem letzten Auftritt wenigstens zu einem Kurzeinsatz reichen sollte. Mit 60 Jahren zieht das „Handballdenkmal“ vom TV Gescher einen Schlussstrich unter seine Laufbahn und hängt die Stiefel an den Nagel. „Hoffentlich kann er überhaupt spielen!“, schmunzelte Ehefrau Martha Merz vor dem Spiel, „sonst hängt er womöglich noch ein Jahr dran!“ Dabei blieb Klaus Merz in seiner 50 jährigen aktiven Zeit weitgehend von Verletzungen verschont. Mit 10 Jahren begann er beim VfL Dorsten seine Karriere als Handballer, 10 Jahre später wechselte er zum Landesligisten VfL Gladbeck. Neben dem Hallenhandball spielte 1973 aber auch noch Feldhandball eine große Rolle. Mit 27 Jahren ging er dann für zwei Spielzeiten zum TV Gescher. Umzugsbedingt hatte es ihn in die Glockenstadt verschlagen. „Aber für die Kreisliga fühlte ich mich damals noch zu jung“, lacht der Routinier und wechselte wieder die Farben. Noch einmal spielte er in der Landesliga und erlebte beim TV Borken eine sportlich erfolgreiche Zeit. 1988 kam er dann zurück zum TV Gescher. „Viele Verletzungen hatte ich wirklich nicht, aber kaum war ich wieder in Gescher, habe ich mir die Hand bei einem Spiel in Neuenkirchen gebrochen. Ausgerechnet mit meinem Mitspieler Rolf Oenning bin ich da zusammengeprallt“, schüttelt Klaus Merz den Kopf. Über sechs Jahre spielte er in der ersten Mannschaft, davon zwei Jahre als Spielertrainer. Mit 41 Jahren ließ er es dann ruhiger angehen und wechselte ins zweite Herrenteam. Doch auch die Reserve führte er innerhalb von zwei Jahren in die Kreisliga. Und wenn „Not am Mann“ war, sprang er natürlich auch in der ersten Mannschaft ein. Die Not war groß im April 1998, als die erste Mannschaft in der Bezirksliga gegen den Abstieg kämpfte. Der damalige Trainer Jochen Inkmann verstärkte seinen Kader im letzten Spiel der Saison mit Klaus Merz. Einen Punkt brauchten die Glockenstädter damals noch gegen Kinderhaus, um den Klassenerhalt zu schaffen. Und wer sonst, als Klaus Merz netzte Sekunden vor dem Spielende zum Punktgewinn ein. Damals kannte der Jubel in Gescher keine Grenzen. Mit 45 Jahren den TV Gescher in der Bezirksliga gehalten – nicht schlecht! 15 Jahre später war der Jubel wieder groß. Knapp 100 Zuschauer, darunter auch ehemalige Spieler aus Gladbeck und Borken, jubelten, als Klaus Merz in seinem letzten Spiel zum ersten Strafwurf antrat und den Ball sicher versenkte. Das war das 8:3 gegen den SuS Stadtlohn II und ein beruhigender Vorsprung.

Sicher verwandelter 7 Meter durch Mr. Zuverlässig. Stephan Gebken schaut entspannt zu.
Sicher verwandelter 7 Meter durch Mr. Zuverlässig. Stephan Gebken schaut entspannt zu.

„Beim 10:4 dachte ich, wir schießen die Stadtlohner aus der Halle“, erzählt Andreas Möllers, „so motiviert waren wir vor der großen Zuschauerkulisse. Doch so einfach waren die Gäste auch nicht zu knacken. Einen 13:10 Vorsprung nahmen die Glockenstädter noch mit in die Halbzeit. Dann lief erst einmal gar nichts mehr. Fünf Gegentore in Folge, Stadtlohn führte plötzlich mit 15:13 und baute den Vorsprung sogar noch auf 21:16 aus. Auch Klaus Merz patzte in dieser Phase bei einem Strafwurf, kam zur Auswechselbank zurück und kommentierte seinen Fehlwurf: „Jetzt muss ich doch mal Ernst machen!“ Und das machte er nur wenige Augenblicke später, als er wieder vom Punkt traf. „Geht es hier eigentlich noch um was?“, fragte Helmut Rensinghoff, selbst Jahre lang aktiver Handballer beim TV. „Klar!“, grinste Andreas Möllers und spielte auf die Rivalität der Städtenachbarn an, „wie immer – nicht gegen Stadtlohn verlieren!“ Helmut Rensinghoff lacht, „das war früher schon so, aber da ging es härter zur Sache gegen Stadtlohn.“ Dieses Mal ging es sehr fair zu. Schiedsrichter Ewald Pferdekamp aus Nordwalde, der es sich nicht nehmen ließ die letzte Partie von Klaus Merz zu pfeifen, kam sogar ohne gelbe Karte aus. Fünf Tore Rückstand, in der Halle wurde es ruhiger, das sah nicht gut aus für das Abschiedsspiel. Die TV-Handballer gaben dann noch einmal Gas und holten Tor für Tor auf, die Stimmung wurde prompt besser und mit sieben Treffern in Folge wechselte die Führung erneut. Michael Sommer und Thomas Weghake im Mittelblock der Abwehr arbeiteten gegen die Angreifer, dass er nur so eine Freude war. Die Halle stand vollends Kopf, als Klaus Merz drei Minutenvor dem Ende letztmalig ins Spielgeschehen eingriff. Die Zuschauer trugen das Team ins Ziel und feierten mit der Mannschaft einen 27:25 Erfolg. Im letzten Saisonspiel setzte der TV folgende Spieler ein: Michael Bücken und Dietmar Maßmann im Tor, Andreas Möllers, Udo Klümper (je 5 Tore), Michael Sommer, Thomas Weghake (je 4), Georg Beeke (3), Andreas Froning, Klaus Merz, Stephan Gebken (je 2), Thomas Roring , Christian Rudde, Manfred Kloster, Dirk Saalmann und Fabian Voigt.

Auch mit 60 nicht zu stoppen.
Auch mit 60 nicht zu stoppen.

Trotz seines biblischen Handballalters und zwei verpassten Spielen war Klaus Merz mit 120 Saisontreffern wieder der beste TV Schütze der Spielzeit. Auch in der Abwehr war er immer eine Bank und so wird er eine große Lücke beim TV hinterlassen. Der Jubilar selber war baff, was seine Teamkollegen auf die Beine gestellt hatten. Die Spielerfrauen hatten gebacken, was das Zeug hielt und eine Cafeteria aufgebaut. Viele Weggefährten von Klaus Merz wurden angesprochen und eingeladen und so war die Halle mit Ex-Handballern vom TV Gescher, Borken und Gladbeck gut gefüllt. Presseberichte von Klaus Merz aus seiner 25 jährigen Gescheraner Zeit waren an die Hallenwand geheftet und eine Diashow mit Handballbildern rund um den TV Gescher erinnerte die Zuschauer an alte Zeiten. Und wie geht es jetzt weiter? „Sommerpause gab es ja schon immer, bis September ändert sich ja nichts“, lacht Klaus Merz. „Ja und dann kann ich meine Wochenenden anders gestalten, dann dreht sich nicht mehr so viel um das Saisonheft. Aber ab und zu komme ich bestimmt in die Halle und schaue mir ein paar Spiele an.“

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Kommentare: 5
  • #1

    Düse (Donnerstag, 02 Mai 2013 09:38)

    Leider musste ich schuften... ein Stück Kuchen hätte ich mir gerne abgeholt.

    Aber ich gehe davon aus, dass Klaus uns Freitags noch als 7m-Trainer zur Verfügung steht ;-)

    Gruß Düse

  • #2

    Was ist Feldhandball (Donnerstag, 02 Mai 2013 11:18)

    Großfeldhandball wird auf einem Sportplatz gespielt, der einem Fußballplatz entspricht (Länge 90–100 m; Breite 55–65 m).
    Gespielt wird mit zwei Mannschaften, die jeweils 11 Feldspieler (1 Auswechselspieler) und 2 Torleute umfassen, die jederzeit fliegend eingewechselt werden können. Eine Mannschaft auf dem Feld besteht aus 10 Feldspielern sowie einem Torwart.
    Das Tor ist 7,32 m × 2,44 m groß. Es entspricht also einem Fußballtor. Der Torraum wird geschaffen, indem vor dem Tor in 13 m Abstand von der Mitte des Tores (Torlinie) ein Halbkreis gezogen wird. Dieser darf nur vom eigenen Torwart betreten werden. Die Freiwurflinie befindet sich mit 6 m Abstand parallel zum Wurfkreis in 19 m Abstand zum Tor. Ferner gibt es einen 14 m von der Tormitte entfernten kurzen Strich, der die Wurfmarke für einen Strafwurf (14 m) darstellt.
    Das Spielfeld wird durch zwei zu den Torlinien parallelen Linien, je 35 m vor dem Tor, in drei Spielfeldabschnitte (zwei Torraumabschnitte und einen Mittelabschnitt) eingeteilt. Die Markierung der Spielfeldabschnitte erfolgt mit einer Linie und mit 8 Fahnen an den Seitenlinien.
    Die Zeitstrafen betragen 5 oder 10 Minuten. Es gibt keine roten oder gelben Karten, aber einen Ausschluss (der Ausgeschlossene darf nicht ersetzt werden) und eine Disqualifikation (der Disqualifizierte darf ersetzt werden).
    Der wohl wichtigste Unterschied zum Hallenhandball betrifft die Prellregelung beim Ballführen. Im Gegensatz zur Regel in der Halle darf der Ball zwischen dem Prellen gefangen werden und anschließend wieder weiter geprellt werden.
    Entgegen der Halle gibt es auch Eckball, wenn der Ball vom Torwart über die eigene Torauslinie befördert wird.
    Die beiden Torraum-Spielfelddrittel dürfen nur mit höchstens 6 Spielern einer Mannschaft (Torwart nicht mitgerechnet) betreten werden. Bei Überschreitung erhält die gegnerische Mannschaft einen Freiwurf (Abseitsregel – ähnlich der im Eishockey).
    Beim Schiedsrichterball wird der Ball nicht wie beim Hallenhandball hoch in die Luft geworfen, sondern fest auf dem Boden aufgeprellt, wobei alle Spieler mindestens 6 m vom Schiedsrichter entfernt sein müssen.
    Das Spiel wird von einem Schiedsrichter geleitet. Unterstützt wird er von zwei Torrichtern, die auch das Einhalten der Abseitsregel kontrollieren. Die Regeln weichen von den Regeln des Hallenhandballs auch in weiteren Punkten ab.

  • #3

    Klaus (Donnerstag, 02 Mai 2013 21:34)

    Hallo zusammen.

    Dankeschön.

    Ich will nicht sagen,das ich nicht weiß wie ich mich dafür "Materiell" bedanken könnte(es kommen sonst Vorschläge denen ich vielleicht nicht gerecht werden kann); deshalb ersteinmal diese Zeilen.

    Einen ganz herzliches Dankeschön bei allen für diesen schönen Abschluß.

    Ich bin ja noch da, und bleibe dem TV-Gescher
    in "fast" gewohnter Weise verbunden.

    Bis demnächst
    Klaus


  • #4

    Peter Volkenrath (Freitag, 03 Mai 2013 09:22)

    Alles Gute aus Eggerode-der Klaus ist ein typischer Handballa,fair und sympathisch.

  • #5

    Jürgen (Dienstag, 07 Mai 2013 12:39)

    Hallo Klaus, auch aus Burgsteinfurt alles Gute zur Handballrente. Finde es sehr schade, denn gerade gegen dich spielen war fast noch schöner als mit dir. Würde mich freuen wenn du im nächsten Jahr doch noch mal aushelfen musst / darfst. Schön das es einen tollen Rahmen gegeben hat für eine solche beneidenswerte schöne Zeit. Viel Glück, Gesundheit und wenn du nicht weißt wohin, wir brauchen immer noch Unterstützung..